30.11.2017 12:27

Welcher inneren HALTUNG entspringt Wertschätzung?

Diese Pressemeldung zum Tag der Wertschätzung im Dezember ist zur freien Verfügung - wir freuen uns über Verwendungshinweise. Hier Word-Datei als Download

Von Dr. Karin Uphoff, Leiterin connectuu GmbH und Lehrbeauftragte, Gründerin der Initiative heartleaders

Wir alle wünschen uns Wertschätzung. Häufig ist die erste spontane Reaktion auf die Frage, welche Rolle Wertschätzung im Leben spiele: „Eine große! Und ich bekomme davon viel zu wenig. Kaum jemand ist heute noch wertschätzend.“ Gleichzeitig empfinden sich die meisten von uns als wertschätzend. Woher kommt diese Diskrepanz?

Warum kommt unsere Wertschätzung bei den anderen nicht an?
Ein möglicher Grund dafür ist, dass wir Wertschätzung in ganz unterschiedlicher Form zum Ausdruck bringen können. So wie wir zum Teil unterschiedliche Muttersprachen haben, sprechen wir auch unterschiedliche „Sprachen der Wertschätzung“. Diese Sprachen heißen zum Beispiel „Anerkennung“, „Hilfsbereitschaft“, „Vertrauen“, „kleine Geschenke/Gesten“ oder auch „Aufmerksamkeit“. Wenn mein Gegenüber nun meine präferierte „Sprache“ nicht spricht,  kann er die Wertschätzung darin oft auch nicht verstehen oder wahrnehmen.

Unterschiedliche Sprachen der Wertschätzung
Dazu mal ein Beispiel: Herr M. ist seit 25 Jahren im Betrieb. Der Geschäftsführer überreicht ihm zum Jubiläum einen großen Präsentkorb. Herr M. reagiert etwas pikiert. Später wird er seinen Kollegen berichten, dass er sich ein bisschen mehr Wertschätzung für seine Arbeit gewünscht hätte.
Was ist passiert? Der Geschäftsführer spricht die Sprache „Kleine Gaben und Gesten“. Er schätzt Herrn M. sehr und hat höchstpersönlich einen wundervollen Geschenkkorb zusammengestellt mit hochwertigen Produkten wie etwa Wurst und Pastete vom regionalen Bio-Metzger. Herr M. ist jedoch Vegetarier… Und da er vorrangig die Sprache „Aufmerksamkeit“ spricht und nicht „Gaben und Gesten“, hat er nun das Gefühl, nie wirklich wahrgenommen worden zu sein. Er fühlt keine Wertschätzung…

Keine Zeit für Wertschätzung

Ein weiterer möglicher Grund für „mangelnde Wertschätzung“ ist, dass wir uns in der Hektik des Alltags keine Zeit nehmen (können), Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Wir fühlen sie zwar in uns und empfinden uns damit auch als wertschätzend, aber wir zeigen sie „einfach nur“ nicht.
Was können wir tun? Die LittleLessons der Initiative heartleaders zum Dritten eines jeden Monats beispielsweise können helfen, sich daran zu erinnern, dass  Wertschätzung Raum und Ausdruck braucht (www.am-dritten.de). So machen wir uns regelmäßig bewusst, welche Rolle Wertschätzung für uns spielt, und holen sie in unser Herz und in das Team. Außerdem können wir unsere innere Haltung betrachten. Also den Fokus ganz konzentriert auf uns selbst richten.

WIE können wir Wertschätzung leben?
Dazu haben wir sieben Elemente zusammengestellt, die die innere Haltung stärken. Als kleine Eselsbrücke: Die Anfangsbuchstaben ergeben das Wort HALTUNG.
•    Hinhören, empathisch kommunizieren:
Hören wir hin, wenn andere etwas sagen? Wenden wir uns einander zu? Können wir anderen „aus der Seele sprechen“?
•    Achtsam und aufmerksam sein:
Wie achtsam und aufmerksam sind wir im Gespräch und im Tun gegenüber den unterschiedlichen Bedürfnissen und Ängsten? Geben wir Raum für Emotionen?
•    Loslassen von Verurteilung und Bewertung:
Trauen wir uns, unsere Gedanken, Fragen, Bedenken einander mitzuteilen, ohne uns dabei schlecht zu fühlen? Können wir das, was andere sagen, annehmen ohne Wertung, auch wenn wir anderer Meinung sind?
•    Transparent, klar und integer handeln:
Haben wir für uns Werte und Leitlinien formuliert? Handeln wir dementsprechend – untereinander und gegenüber Kunden und Geschäftspartnern? Wo passen wir uns an, um gemocht zu werden bzw. Konflikten auszuweichen?
•    Unbehagen nutzen:
Geben wir uns gegenseitig wachstumsorientiertes Feedback und heißen wir dabei Unbehagen als Indikator für Entwicklungsmöglichkeiten willkommen? Thematisieren wir seine Bedeutung und sein Potenzial explizit?
•    Nahbarkeit, Verletzlichkeit zulassen:
Öffnen wir Raum für Begegnung? Trauen wir uns, uns einander so zu zeigen, wie wir sind? Können wir über Ängste und Sorgen sprechen?
•    Großmut und Wohlwollen üben, sich innerlich mit anderen Menschen verbinden: Fühlen wir uns einander verbunden, ohne uns anpassen zu müssen? Begegnen wir uns einander mit Wohlwollen und gehen davon aus, dass jede/r das Bestmögliche versucht?

Sich selbst Wertschätzung geben

Ein wichtiger Schritt hin zur inneren Haltung ist, sich selbst die Wertschätzung zu geben. Dazu haben wir Fragen für Sie zusammengestellt, anhand derer Sie nachspüren können, welche innere Haltung Sie sich SELBST gegenüber einnehmen:
Höre ich hin, was sich in mir tut? Wie rede ich mit mir, wenn ich Selbstgespräche führe? Wie achtsam und aufmerksam bin ich gegenüber meinen eigenen Bedürfnissen? Wie bewerte/verurteile ich mein eigenes Tun und Sein? Kann ich mein Tun losgelöst betrachten von mir als Menschen? Welche Werte sind mir wirklich wichtig? Beachte ich diese? Bleibe ich klar und mir selbst treu und verbunden? Wo passe ich mich an, um gemocht zu werden bzw. Konflikten auszuweichen? Verwende ich Unbehagen, um mich selbst abzuwerten? Oder nutze ich es als Wachstumschance? Lasse ich mich selbst nah an mich ran? Nehme ich meine Ängste wahr und habe ich jemanden, mit dem ich das besprechen kann? Fühle ich mich selbst mit mir verbunden? Fühle ich mich vorbehaltlos mit anderen verbunden?

Und abschließend auch noch einmal die die „6 Sprachen der Wertschätzung“ in der Übersicht
•    Kräftigende und anerkennende Worte – „Words of Affirmation“
•    Ungeteilte Aufmerksamkeit für den Anderen – „Quality Time“
•    Dienstleistungen/Hilfsbereitschaft – „Acts of Service“
•    Gesten/Geschenke, die von Herzen kommen und berühren – „Tangible Gifts“
•    Persönlicher/körperlicher Kontakt – „Physical Touch“
•    Vertrauen und Zutrauen – „Empowerment“

Anregungen und Gedanken zu den Sprachen der Wertschätzung finden sich hier:
heartleaders.de/artikel/die-sechs-verschiedenen-sprachen-der-wertschaetzung


Hintergrund: Die Initiative heartleaders trägt das Thema „Haltung und innere Führung“ in die Unternehmen und regt dazu an, sich immer wieder und in unterschiedlicher Form mit den verschiedenen Facetten der wertschätzenden Führung und des respektvollen Miteinanders zu beschäftigen. Mit den LittleLessons zum „Tag der Wertschätzung“ möchte die Initiative jeden Monat Menschen und Unternehmen darin unterstützen, eine Atmosphäre aus Vertrauen und Verbundenheit aufzubauen und zu stärken. Infos und Angebote der Initiative finden Sie hier: www.heartleaders.de.

 

Die Autorin Dr. Karin Uphoff

Dr. Karin Uphoff beschäftigt sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten damit, wie Kommunikation gelingen kann. In ihren Vorträgen und Workshops entführt sie die Teilnehmer/innen in die Welt von Herz und Hirn, sinniert mit ihnen über Führung und Selbstführung, Verbundenheit, Empathie und Konfliktlösung  und lässt sie hineinspüren in eine Arbeitswelt, die geprägt ist von Klarheit und Wertschätzung. Dabei schöpft sie aus tiefem Wissen, aus ihrem Wirken als Führungs-Coach, Beraterin und Moderatorin und aus ihrer Erfahrung als Unternehmerin, Verbandsvorsitzende, Vorstandsfrau und sechsfache Mutter.

Dr. Karin Uphoff erhielt bereits etliche Auszeichnungen, u.a. für unternehmerische Leistung, Innovation und Unternehmenskultur. 2009 wurde sie zur EU-Unternehmensbotschafterin ernannt und 2014 aufgenommen in den Kreis der Vorbild-Unternehmerinnen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Sie ist Leiterin des Kooperations-Accelerators connectuu, Lehrbeauftragte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Gründerin diverser Business-Netzwerke und Initiatorin von „heartleaders“, dem Bündnis für Wertschätzung. 

 


Fotomaterial für Medien:

 

- Postkarte: Es gibt auch eine Postkarte zum Thema - in gedruckter Form und als e-card (http://am-dritten.de/bestellen).

 

 

 

 

- QR-Code: Hier geht’s zum Tag der Wertschätzung (www.am-dritten.de)


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