03.11.2018 10:37

"Verbundenheit: Immer wieder tappe ich in die Falle"

Von Dr. Karin Uphoff, Leiterin connectuu GmbH und Lehrbeauftragte, Gründerin der Initiative heartleaders

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VERBUNDENHEIT: Immer wieder tappe ich in die Falle.

Eigentlich weiß ich ja um die Gefahr. Theoretisch. Trotzdem tappe ich immer wieder in die Falle. Wie etwa beim Business-Treffen vergangene Woche:  Vornehmer Rahmen. Gedämpfte Musik. Feines Buffet. Und gaaanz viele Alphas. Da wollte ich dazugehören! Also Schultern gestrafft, arroganten Blick aufgesetzt und mit leicht erhobenen Augenbrauen lässig durch die Gegend geschlendert. Hier ein Smalltalk, da ein oberflächliches Geplapper. Herrje, waren wir alle wichtig und cool und souverän – und so unnahbar!

Doch dann passierte es. Der Klassiker: Ein junger Mann neben mir wollte auf die Uhr schauen und vergaß dabei, dass er eine Tasse in der Hand hielt. Der Kaffee schwappte mit einem satten „Platsch!“ auf den weißen Steinboden. Peinliche Stille. Peinliche Stille? Nein! Der junge Mann fing an zu kichern und während er niederkniete, um den Kaffee aufzuwischen, sagte er: „Das ist das 3. Mal diese Woche. Immer wenn ich cool sein will, passiert mir so etwas. So was Doofes!“

Und was machte das mit den anderen? Die atmeten befreit auf, klopften ihm auf die Schulter, halfen, die Spuren zu beseitigen, und begannen nun ihrerseits, von ihren größten Missgeschicken zu berichten. Gelächter erfüllte den Raum. Gesichter entspannten sich, man lächelte sich zu. Wir fühlten uns… verbunden!

„Das Gegenteil von Verbundenheit ist Anpassung“

Eigentlich weiß ich es ja – das Gegenteil von Verbundenheit ist nicht Trennung oder Einsamkeit, sondern Anpassung. Das hat die amerikanische Angst- und Schamforscherin Brené Brown in ihren Büchern so wunderbar beschrieben.

Und wie konnten wir das spüren an dem Abend! Solange wir uns alle gegenseitig beeindrucken wollten, um den gefühlten oder vermeintlichen Erwartungen zu genügen, blieben wir distanziert. Getrennt. Einsam. Erst als sich der junge Mann traute, sich in seiner Verletzlichkeit zu zeigen, über sich zu lachen und nicht mehr cool zu sein, brach das Eis und wir machten unsere Herzen auf.

„Was uns daran hindert, Verbundenheit aufzubauen, ist die Angst, der Verbundenheit nicht wert zu sein.“

Auch so ein berührender Satz von Brené Brown. Und ja! Natürlich hatte ich Angst, die anderen könnten die Nase darüber rümpfen, dass ich keine Mrs. Wichtig bin. Kein Cxx. Dass ich nur ein kleines Unternehmen habe. Und eigentlich lieber in Sportschuhen rumlaufe und alle duze.

Warum mache ich es trotzdem immer wieder?

Naja, es passiert irgendwie automatisch, wenn ich unsicher werde. Wie wir alle trage ich (unbewusst) die Sorge in mir, möglicherweise so, wie ich bin, nicht liebenswert oder wichtig für andere zu sein. Und wenn ich nicht liebenswert oder wichtig bin, will mich keiner. Und wenn mich keiner will, dann sterbe ich (denkt zumindest das kleine Kind in mir…).

Also muss ich liebenswert oder wissend oder cool erscheinen. Das tun und sagen, von dem ich glaube, dass es „richtig“ ist, den anderen gefällt, damit ich dazugehöre.

Gleichzeitig wappne ich mich. Denn meine Unsicherheit darf ja keiner entdecken! Passe mich an, grenze mich ab. Und verhindere damit letztendlich die Verbundenheit, die mir so gut tut.

Danke, lieber Yannik, dass du den Kaffee ausgeschüttet hast!

 


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