29.01.2018 13:53

Kleine Wörter, große Wirkung

Diese Pressemeldung zum Tag der Wertschätzung im Februar ist zur freien Verfügung - wir freuen uns über Verwendungshinweise. Hier Word-Datei als Download

Von Dr. Karin Uphoff, Leiterin connectuu GmbH und Lehrbeauftragte, Gründerin der Initiative heartleaders

Wenn uns etwas beschäftigt oder wir uns über etwas ärgern, versuchen wir gerne, unsere Emotionen wegzudrücken. Doch schnell „rutschen“ uns Aussagen heraus, die dann doch unsere innere Haltung zum Ausdruck bringen. „Schon einzelne Wörter können Abwehr bei unserem Gegenüber erzeugen“, sagt die Initiative heartleaders. Zum Tag der Wertschätzung im Februar gibt sie Anregungen, wie wir achtsam sein können bei der Wortwahl.

Manche Wörter oder Phrasen nerven oder verletzen unser Gegenüber mehr, als hätten wir unsere Gefühle mitgeteilt und die für uns schwierigen Punkte klar angesprochen. Solche Signalwörter – also Wörter, die unsere  innere Stimmung offenbaren –, sind: aber, immer, nie, (schon) wieder, eigentlich, ich dachte, du hattest gesagt. Das hört sich dann so an: „Diesen Text hast du gut geschrieben, aber die Rechtschreibung könnte besser sein.“ „Du hast wieder nicht aufgeräumt. Immer liegt hier alles herum. Nie machst du Ordnung.“ „Ich dachte, du wolltest nicht mehr rauchen.“ „Du hattest gesagt, du schreibst den Pressetext noch.“

Wie können wir es so formulieren, dass unsere Bedürfnisse deutlich werden UND die andere Person sich nicht gemaßregelt fühlt?

…. ABER …

Das „ABER“ kommt uns schnell über die Lippen. Wir sind es einfach gewohnt, Anregungen in der Reihenfolge „Nette Aussage + aber-Einschränkung“ auszudrücken. Meist ist es uns aus der Kindheit sehr vertraut. Und genau deshalb triggert es uns auch, wenn andere es sagen: Wir kennen diese „versteckte“ Kritik von unseren Eltern. „Die 2 in Mathe ist prima, aber in Deutsch musst du noch besser werden.“ „Die Küche sieht jetzt ordentlich aus, aber dein Zimmer könnte auch mal eine Reinigung brauchen.“ Erinnern Sie sich…?

Was könnten wir stattdessen machen? Zum Beispiel ein UND WENN wählen. Oder das ABER einfach weglassen. Nehmen wir noch einmal unser Beispiel von oben: „Diesen Text hast du gut geschrieben, aber die Rechtschreibung könnte besser sein“.  Alternativen könnten dann lauten: „Diesen Text hast du gut geschrieben und wenn du noch die Rechtschreibung überarbeitest, ist er auch formal in Ordnung.“ Oder: „Diesen Text hast du gut geschrieben. Du könntest noch an der Rechtschreibung feilen.“

Gefühle zulassen. Wertungsfrei formulieren.

Auch folgende Sätze sind sicherlich uns allen bekannt: „Du hast schon wieder nicht aufgeräumt. Immer liegt hier alles herum. Nie machst du Ordnung.“ Bewirken sie eine Verhaltensänderung? Nein, natürlich nicht. Sie provozieren nur eine ärgerliche Antwort der anderen Person.

Hier helfen folgende vier Schritte: (1) Wir beschreiben die Situation wertungsfrei (!) und sachlich. (2) Wir teilen unser Gefühl dazu mit (mit Worten, nicht mit Lautstärke). (3) Wir formulieren unser Bedürfnis. (4) Wir äußern eine konkrete Bitte oder formulieren eine Frage.

Für unser Beispiel würde sich das so anhören: „An den vergangenen drei Tagen lagen deine Bücher, Zeitungen und Notizen morgens auf dem Esstisch. Das ärgert mich. Ich möchte gerne direkt frühstücken können und dafür einen freien Esstisch haben. (Bitte:) Bitte bring vor dem Zubettgehen deine Sachen ins Arbeitszimmer. (Frage:) Wie könnten wir das ändern, was wäre für dich eine gute Lösung?“ Der Vorteil bei der Frage ist: Person B kann ihr Bedürfnis mit einbringen und eine eigene Lösung finden, die von Person A nicht angedacht wurde, z. B.: „Ich möchte meine Sachen gerne liegen lassen können,  wenn ich an einem Projekt arbeite. Ich schlage vor, ich arbeite künftig vom Arbeitszimmer aus.“

Wohlwollende Fragen stellen

„Ich dachte, du wolltest nicht mehr rauchen.“ „Du hattest gestern gesagt, du schreibst den Pressetext noch bis zum Abend.“ Solch manipulative Sätze sagen wir gerne, wenn wir uns über eine andere Person ärgern oder etwas von ihr erwarten, es jedoch nicht direkt so sagen wollen. 

Auch hier wieder die Überlegung: Wie können wir es anders machen? Neben dem Weg, es über die eben erwähnten vier Schritte anzusprechen, können wir auch wohlwollende Fragen stellen, die ein Gespräch über die dahinterliegenden Schwierigkeiten eröffnen, vielleicht sogar Lösungsansätze  / Hilfestellungen ermöglichen: „Fällt es dir schwer, nicht zu rauchen? In welchen Situationen besonders? Kann ich dich irgendwie unterstützen?“ „Ist dir gestern noch etwas dazwischen gekommen beim Schreiben? Kann ich dir etwas abnehmen, so dass du Zeit dafür findest? Oder hast du noch Fragen oder Unsicherheit, die wir gemeinsam klären könnten?“

„LittleLesson“

Beobachten Sie sich selber: Wann verwenden Sie solche Signalwörter?  Und warum? Was hätten Sie stattdessen sagen können? Mal allgemeiner betrachtet: Was hält Sie innerlich davon ab, Ihre Bedürfnisse / Wünsche / Gefühle klar und wertfrei zu äußern?

Besprechen Sie es gerne auch mit anderen: im Privaten innerhalb der Familie oder mit Freunden, zu Situationen, die Sie während der Arbeit erlebt haben, gemeinsam im Team.


Hintergrund:

Der Tag der Wertschätzung wurde 2014 von der Initiative heartleaders ins Leben gerufen. Jeden Monat, immer am Dritten (ich, du, wir = 3), gibt es zu einem Aspekt des wertschätzenden Miteinanders Anregungen, Praxistipps, Beispiele und kleine Übungen (LittleLessons) sowie eine Mottokarte als eCard oder als hearticon (www.am-dritten.de).

Warum? Mit den Anregungen zum „Tag der Wertschätzung“ möchte die Initiative Menschen und Unternehmen darin unterstützen, eine Atmosphäre der Wertschätzung aufzubauen und zu stärken. Eine wertschätzende Grundhaltung tut gut – jedem Menschen, jeder Organisation und jeder Gesellschaft. Wertschätzung ist zudem auch ökonomisch relevant: Mitarbeiter/innen, die sich und ihre Leistung ehrlich wertgeschätzt wissen, haben Lust, sich einzubringen, sind gesünder, motivierter, entwickeln bessere Lösungen. So werden Unternehmen robuster im Wettbewerb und reaktions- wie auch innovationsfähiger in einem komplexen Markt. Infos und Angebote der Initiative finden Sie hier: www.heartleaders.de.

 

Die Autorin Dr. Karin Uphoff

Dr. Karin Uphoff beschäftigt sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten damit, wie Kommunikation gelingen kann. In ihren Vorträgen und Workshops entführt sie die Teilnehmer/innen in die Welt von Herz und Hirn, sinniert mit ihnen über Führung und Selbstführung, Verbundenheit, Empathie und Konfliktlösung  und lässt sie hineinspüren in eine Arbeitswelt, die geprägt ist von Klarheit und Wertschätzung. Dabei schöpft sie aus tiefem Wissen, aus ihrem Wirken als Führungs-Coach, Beraterin und Moderatorin und aus ihrer Erfahrung als Unternehmerin, Verbandsvorsitzende, Vorstandsfrau und sechsfache Mutter.

Dr. Karin Uphoff erhielt bereits etliche Auszeichnungen, u.a. für unternehmerische Leistung, Innovation und Unternehmenskultur. 2009 wurde sie zur EU-Unternehmensbotschafterin ernannt und 2014 aufgenommen in den Kreis der Vorbild-Unternehmerinnen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi). Sie ist Leiterin des Kooperations-Accelerators connectuu, Lehrbeauftragte an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Gründerin diverser Business-Netzwerke und Initiatorin von „heartleaders“, dem Bündnis für Wertschätzung. 

 


Fotomaterial für Medien:

 

- Postkarte: Es gibt auch eine Postkarte zum Thema - in gedruckter Form und als e-card (http://am-dritten.de/bestellen).

 

 

 

 

- QR-Code: Hier geht’s zum Tag der Wertschätzung (www.am-dritten.de)


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