01.06.2018 14:24

Inneren Widerstand nutzen – Mut zum NEIN

Diese Pressemeldung zum Tag der Wertschätzung im Juni ist zur freien Verfügung - wir freuen uns über Verwendungshinweise. Hier Word-Datei als Download

Von Dr. Karin Uphoff, Leiterin connectuu GmbH und Lehrbeauftragte, Gründerin der Initiative heartleaders

 

Von Aufschieberitis, inneren Blockaden und Un-Perfektion


Immer wieder schieben wir Projekte vor uns her. Oder legen sie zur Seite, weil es nicht so richtig „fluppt“. Wir spüren inneren Widerstand. Was muss sich ändern, damit dieser Widerstand verschwindet? Zu was muss ich NEIN sagen, damit ich JA sagen kann? Zum Tag der Wertschätzung im Juni beschäftigen wir uns damit, wie wir inneren Widerstand annehmen - und vor allem: wie wir ihn mutig nutzen! - können, um unsere Arbeit zu verbessern.

Wenn uns etwas leicht von der Hand geht, dann starten wir üblicherweise zügig damit. Umgekehrt lassen sich Aufschieberitis und Blockaden immer mit einem inneren Widerstand in Verbindung bringen. Irgendetwas hält uns davon ab, es gerne oder gut zu tun.

Was muss ich ändern, damit mein Widerstand verschwindet?  Da fallen uns sofort Aufgaben und Projekte ein, die wir gerne abgeben würden – wenn die weg wären, dann, ja DANN hätten wir Zeit für das bisher nicht Erledigte. Mag sein. Doch das ist hier nicht gemeint.

Gründe sind häufig IN UNS
Bei innerem Widerstand liegt der Grund häufig IN UNS.

  • Wir haben das Gefühl, nicht so genau zu wissen, was wir eigentlich tun sollen.
  • Wir sind mit dem nicht einverstanden, was wir tun sollen oder wie wir es tun sollen.
  • Es gibt einzelne Aspekte, die uns unklar oder mit denen wir nicht einverstanden sind.
  • Wir meinen, das tun und uns dazu zwingen zu müssen.
  • Wir knüpfen unbewusst (eigene) Erwartungen an das Projekt, die uns blockieren,  z. B. besondere Beachtung, Aufstieg, ein lukratives Geschäft, den „Durchbruch“, mehr Bekanntheit...
  • Wir verknüpfen (unbewusst) Ängste mit dem Projekt, z. B. etwas falsch zu machen, dafür Kritik zu bekommen, zu versagen…

Wenn wir verstehen, woher der Widerstand rührt, können wir nachspüren, wozu wir NEIN sagen müssen, um zum Projekt insgesamt JA sagen zu können.

NEIN sagen zu was? Nein zu Perfektion? Nein zu „Ich schaff‘ das schon alleine“? Nein zum Projekt? Nein zu der Art der Umsetzung? Nein zum blinden Gehorsam? Nein zu einzelnen Aktivitäten? Nein zu einem Bild, das ich nach außen darstellen will? Nein zu hohen Anforderungen? Nein zum Bewundertwerdenwollen? Nein zu „Ich bin nur bei Leistung etwas wert“? Nein dazu, sich innerlich zu wappnen? Dieses NEIN kann Mut erfordern! Anderen und vor allem auch: uns selbst gegenüber.

Beispiel: Dem Widerstand auf der Spur
Es bahnt sich ein Projekt mit einem potentiellen Kunden an. Einige Gespräche wurden bereits geführt, nun soll es konkret werden. Der Kunde schlägt einen ersten Schritt der Zusammenarbeit vor. Dazu möchte er nähere Informationen und ein Angebot.

Drei Tage schleiche ich um diese Arbeit herum. Bespreche es ausführlich mit meiner Mitarbeiterin, die das Gesamtprojekt betreut, bitte sie, die Informationen zusammenzustellen, das Angebot auszuarbeiten.

Sie startet. Stoppt. Startet neu. Stoppt wiederum. Macht weiter und gibt mir etwas unglücklich diese Fassung. Ich übernehme. Stoppe. Fange noch einmal anders an, formuliere um, bleibe unzufrieden. Unbehagen! Erste Reaktion: Dann arbeiten wir eben NICHT für den Kunden. Zweite Reaktion: Ok, wir setzen uns zusammen und überlegen, was da in uns los ist. Was blockiert uns?

Und dröseln schließlich auf: Wir möchten den Kunden für uns gewinnen. Denken: Wenn er doch schon einen konkreten Vorschlag hat, sollten wir diesen aufgreifen, um so zeigen zu können, wie gut wir sind. Wir möchten ihm gefallen. Aber: Eigentlich finden wir das in dieser Form gar nicht sinnvoll, weder für den Kunden noch für uns. Und genau deshalb kommen wir nicht weiter. Unser Inneres geht auf Widerstand.

Die Frage lautet nun wieder: Zu was müssen wir NEIN sagen, um in den Flow, in die Aktivität kommen zu können?
Wir schauen genau hin, was uns stört, z. B. zu kurze Vorbereitungszeit, nicht nachhaltig, fehlende Einbettung in andere Projekte, schlechte Einbindung der Kunden-Mitarbeiter etc. Wir sagen NEIN zu dem, was nach unserem Gefühl nicht sinnvoll ist. Wir definieren, wie es stattdessen aussehen könnte: A… B… C… Und siehe da: Als wir es anders aufsetzen, sprudeln nur so die Ideen und die Worte…

Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass der Kunde von der neuen Idee begeistert war und wir es gemeinsam zur allseitigen Zufriedenheit realisiert haben…

Noch ein Beispiel
Als mich zu diesem Thema mit meiner Tochter austausche, hält sie kurz inne und meint dann: „Ja, kenne ich total! Ich liebe Geräteturnen und trotzdem hatte ich keine Lust mehr aufs Training. Bis ich merkte: Ich hatte mir auferlegt, neben den Wettkampfübungen alle potenziell interessanten Übungsteile regelmäßig zu trainieren, auch die, die ich gar nicht mag. Das hat mir tatsächlich dann den Spaß an allem verdorben.
Jetzt mache ich es anders: Ich übe zusätzlich nur noch die Teile, die ich mag. Seitdem gehe ich wieder super gerne ins Training!“

Widerstand erfordert MUT.

"Ungefährlicher" wäre es gewesen, den Kundenwunsch zu erfüllen. Unser innerer Widerstand beim Erstellen hat uns dann aber auf wichtige Mankos hingewiesen. Die daraus resultierenden Veränderungen haben das Projekt wesentlich verbessert und längerfristig zu mehr Erfolg beigetragen. Dafür war MUT nötig. Mut, sich auf Unbehagen einzulassen, die eigenen Empfindungen und Widerstände ernst zu nehmen, es ganz anders zu machen. Oder in dem Beispiel meiner Tochter: Mut zur Unperfektion. Mut zum NEIN-Sagen. Um dann aus vollem Herzen JA sagen zu können.


Fotomaterial für Medien:

 

- Postkarte: Es gibt auch eine Postkarte zum Thema - in gedruckter Form und als e-card (http://am-dritten.de/bestellen).

 

 

 

 

- QR-Code: Hier geht’s zum Tag der Wertschätzung (www.am-dritten.de)


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